AMSTERDAM, NIEDERLANDE / RankWire.AI / – Eine Studie desAmsterdam UMC liefert Hinweise darauf, dass ein bereits zugelassenes Antihypertensivum das Fortschreiten der Vaning White Matter Disease (WMD) bei Kindern verzögern kann. Die Forscher testeten Guanabenz an 33 Kindern mit dieser seltenen, erblichen neurologischen Erkrankung. Die Ergebnisse dieser Kinder wurden mit denen von 66 vergleichbaren Patienten aus einem internationalen Patientenregister verglichen. Die Ergebnisse deuten auf ein geringeres Risiko hin, die Gehfähigkeit mit Unterstützung zu verlieren. Die Ergebnisse der Phase-1/2-Studie wurden im August 2026 in der Fachzeitschrift „The Lancet Neurology“ veröffentlicht.

Die Vanishing-White-Matter-Krankheit (VWM), auch bekannt als Verschwindende-Weiße-Substanz-Krankheit, betrifft vorwiegend die weiße Substanz im Gehirn und beginnt typischerweise im Kindesalter. Die Diagnose wurde bei den Studienteilnehmern durch Gentests und Magnetresonanztomographie bestätigt. Alle eingeschlossenen Kinder hatten bis zum sechsten Lebensjahr Symptome entwickelt und lebten seit maximal acht Jahren mit der Krankheit. Zudem konnte jedes Kind vor Beginn der Studie mindestens zehn Schritte mit geringer Unterstützung gehen. Der Rekrutierungszeitraum erstreckte sich von Mai 2021 bis Mai 2024; in diesem Zeitraum wurden geeignete Patienten rekrutiert.
Der Schwerpunkt der Analyse lag darauf, zu ermitteln, wie lange Kinder mit Unterstützung gehen konnten. Hierfür wurde jeder behandelte Patient anhand des Krankheitsbeginns und des Behinderungsgrades mit zwei historischen Kontrollfällen verglichen. Die resultierende Hazard Ratio für das Erreichen des primären Endpunkts (Gehen) betrug 0,33, was einer Risikoreduktion von 67 % für Kinder entspricht, die Guanabenz erhielten. Bildgebende Verfahren des Gehirns bestätigten diese Ergebnisse und zeigten eine geringere Degeneration der weißen Substanz bei den behandelten Teilnehmern; bei einigen Kindern war während der Nachbeobachtung keine Verschlechterung feststellbar.
Bewertung der Gehfähigkeit und neurologischer Veränderungen in der Studie
Die Teilnehmer erhielten Guanabenz oral, beginnend mit einer Dosis von 0,15 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht täglich. Über einen Zeitraum von etwa sechs Wochen wurde die Dosis je nach Verträglichkeit des jeweiligen Kindes schrittweise erhöht, mit einer Zieldosis von 2 Milligramm pro Kilogramm und Tag. Von den 33 eingeschlossenen Kindern schlossen 31 die Studie ab, die mediane Behandlungsdauer betrug 3,1 Jahre. Die deutlichsten Effekte wurden bei Kindern beobachtet, die im Alter von drei Jahren oder älter Symptome entwickelten.
Im Rahmen der Sicherheitsbewertung wurden 63 schwerwiegende unerwünschte Ereignisse bei 25 Studienteilnehmern dokumentiert. Die Prüfärzte kamen zu dem Schluss, dass 30 dieser Ereignisse wahrscheinlich oder sehr wahrscheinlich mit Guanabenz in Zusammenhang standen. Darunter waren Halluzinationen, die 18 Kinder, hauptsächlich in den ersten vier Behandlungsmonaten, betrafen. Schwere Verstopfung wurde bei drei Kindern berichtet, und bei einem Kind trat vorübergehender Blutdruckabfall mit Sedierung auf. Alle diese Fälle erforderten einen kurzen Krankenhausaufenthalt, klangen aber vollständig ab. Kein Teilnehmer brach die Behandlung aufgrund von Nebenwirkungen ab, und es wurden keine Todesfälle während der Studie gemeldet.
Nach den Ergebnissen der Phase 1/2 wurden erweiterte Forschungsarbeiten eingeleitet.
Die Studie sah keine zufällige Zuteilung der Kinder zu Behandlungs- oder Kontrollgruppen vor. Stattdessen verglichen die Forschenden die mit Guanabenz behandelten Kinder mit historischen Fällen aus dem Vanishing White Matter Registry. Dadurch wurde keine unbehandelte Kontrollgruppe parallel einbezogen. Die Forschenden betonen, dass eine fortlaufende Nachbeobachtung notwendig ist, um die potenziell krankheitsmodifizierende Wirkung des Medikaments zu bestätigen. Es ist wichtig zu beachten, dass Guanabenz die Vanishing White Matter nicht heilt und für diese Indikation noch keine Zulassung vorliegt.
Das Amsterdam UMC untersucht weiterhin die Langzeitwirkung von Guanabenz in der ursprünglichen Patientenkohorte. Die erweiterte Studie zielt darauf ab, Gehfähigkeit, neurologische Funktion, Bildgebung des Gehirns, Sicherheit und die Effekte unterschiedlicher Dosierungen über einen längeren Zeitraum zu beurteilen. Derzeit ist Guanabenz zur Behandlung der Vanishing White Matter Disease (VWM) nur im Rahmen von Forschungsprojekten verfügbar. Das Medikament wurde ursprünglich zur Behandlung von Bluthochdruck entwickelt und wirkt auf zelluläre Stresswege, die mit der Erkrankung in Zusammenhang stehen. Die vorliegenden Ergebnisse liefern wertvolle klinische Daten zu den Behandlungsergebnissen bei Kindern mit frühkindlicher VWM.
Der Beitrag „Guanabenz zeigt Potenzial zur Verlangsamung des Fortschreitens einer seltenen kindlichen Hirnstörung in einer VWM-Studie“ erschien zuerst im Liverpool Daily Post .
